Ist Roboterjournalismus die Zukunft?

Roboterjournalismus
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Der Begriff Roboterjournalismus ist eigentlich irreführend: Denn es sind keine Roboter, die das Texten übernehmen, vielmehr sind Algorithmen dafür zuständig, dass Texte generiert werden. Die Anfänge gehen auf das Jahr 1963 zurück, als das Programm BASEBALL vorgestellt wurde.

Es konnte einfache Fragen rund um den Sport beantworten. 1970 gab es weitere Studien zu diesen Themen: Damals erzeugte ein Algorithmus simple Wettervorhersagen. In der heutigen Zeit der zunehmenden Digitalisierung werden immer mehr Arbeiten von Maschinen übernommen. Doch werden in Zukunft Computer auch die Seiten von Zeitungen und Zeitschriften füllen?

Wie bereits erwähnt sollte Roboterjournalismus besser als algorithmischer Journalismus bezeichnet werden, weil dieser Begriff eher beschreibt worum es dabei geht. Darunter versteht man Programme, die selbständig Nachrichten verfassen. Diese Technik kommt vor allem in jenen Bereichen zum Einsatz, wo ein großer Datensatz verfügbar ist. Roboterjournalismus kann nämlich nur dann funktionieren, wenn der Computer mit vielen Informationen gefüttert wird. Dafür bieten sich unter anderem folgende Bereiche an:

  • Verkehrsmeldungen: Informationen über Staus und Baustellen sind unmissverständlich und können vom Computer gut verarbeitet werden
  • Wetterberichte: Auch hier sind die Datensätze eindeutig
  • Sportberichte, wenn es vorwiegend um Ergebnisse geht
  • Finanz-News: Zum Beispiel Berichte über Schwankungen von Aktienkursen

Roboterjournalismus ist ein Teil von Künstlicher Intelligenz. Darunter versteht man die Erledigung von Aufgaben durch Computer. Dabei lernen Maschinen aus Erfahrungen und lernen, Informationen zu verarbeiten. Je intensiver der Computer mit neuen Datensätzen gefüttert wird, umso eher zieht intelligente Software Schlüsse daraus.

Spannend ist, dass der Begriff künstliche Intelligenz schon lange bevor der Personal Computer bekannt war, verwendet wurde. Zum ersten Mal sprachen A. Newell, H.A. Simon und M. Minsky bei einer Wissenschafts-Konferenz in Dartmouth von „Artificial intelligence“. Auch der Roboterjournalismus stammt aus den USA. Als erster Anbieter ging narrative science in die Geschichte ein. Dabei handelte es sich um eine Software, die Lückentexte ausfüllen konnte.

Der Geschäftsführer des Startups Text-On Cord Dreyer ist kein Unbekannter. Der Deutsche war früher Geschäftsführer und Chefredakteur bei der Nachrichtenagentur dapd. Nun hat er in Berlin ein neues Unternehmen gegründet, das sich auf Roboterjournalismus spezialisiert hat. Mit an Bord ist das Fraunhofer Institut für Kommunikation. Inspiration fand Dreyer in den USA, wo es mit Narrative Science und Automated Insights bereits erfolgreiche Beispiele für Firmen gibt, die robotergenerierte Texte anbieten. Die Unternehmen liefern zum Beispiel Content für die Sport- und Finanzwelt.

Genau in diese Richtung soll sich auch Text-On entwickeln. Der Firmengründer bezeichnet seine Dienstleistungen ungern als Roboterjournalismus, lieber verwendet er „Texterstellung aus Daten“.  Er positioniert sein Unternehmen in den Geschäftsfeldern Statistik, Finanzen und Fußball.

Dreyer glaubt nicht, dass Roboterjournalismus in der Zukunft die Arbeit von Redakteuren vollständig übernehmen wird. Vielmehr sieht er Roboterjournalismus als Ergänzung. In den Vereinigten Staaten wird Roboterjournalismus mittlerweile auch für Hotel- und Restaurantbeschreibungen und Verkehrsmeldungen verwendet.

Auch in den Zeitungredaktionen ist Roboterjournalismus teilweise schon angekommen. Die Berliner Morgenpost zum Beispiel lässt Artikel teilweise von einer Software erstellen. Das selbst entwickelte Programm erstellte zum Beispiel einen Artikel über die Feinstaubbelastung in Berlin. Der Text wurde vom Computer erstellt und aktualisiert.

Einer der Vorteile von Roboterjournalismus ist, dass Grafiken perfekt umgesetzt werden. Untersuchungen haben ergeben, dass sich Leser von Texten zu komplizierten Themen Grafiken wünschen, die den Inhalt unterstreichen und veranschaulichen. Im Zuge des Artikels über die Feinstaubbelastung wurde auch der Feintaubmonitor mit einbezogen, was bei den Lesern gut ankam.

Im Prinzip arbeitet Roboterjournalismus ähnlich wie ein realer Redakteur, der in einem Nachrichtenstudio sitzt. Es geht darum, zu einem Thema möglichst viele Daten zu sammeln und daraus einen Text zu erstellen. Allerdings schafft es der Computer, innerhalb weniger Sekunden Informationen über Rankings, Namen, Orte, Ergebnisse und andere Statistiken einzuholen.

Diese verarbeitet die Software zu einem Storyplot. Sie gibt die Erzählstruktur des späteren Textes vor. Bei einem Bericht über ein Fußballspiel werden zum Beispiel Informationen über die Anzahl der Zuseher, die erzielten Tore und die Torschützen einbezogen. Auch wie welche Spieler ausgewechselt wurden ist ein relevanter Input.

Je größer die Datenmenge ist, umso komplexer sind die Texte, die beim Roboterjournalismus entstehen. Der Stil des Textes wird in der Regel von einem Redakteur festgelegt. Damit von Computer generierte Texte nicht immer dieselben Bausteine verwenden, muss die intelligente Software ständig dazulernen können.

Der Roboterjournalismus ist aktuell eine Unterstützung für Zeitungen und Zeitschriften, wenn es um sachliche Themen geht. Eines wird die Maschine jedoch kaum schaffen: Nämlich Emotionen im Leser zu wecken. Roboterjournalismus kann eine große Datenmenge in sachliche Texte einbinden, ein Sprachgefühl oder der Sinn von Humor fehlt den Texten allerdings.

Um beim Beispiel Fußball zu bleiben: Der computergenerierte Text informiert zwar über die Torfolge, die Anzahl der Zuseher und den Endstand, wie die Stimmung im Stadion allerdings war kann die Maschine nicht ausdrücken. Somit wird der Roboterjournalismus auch in Zukunft die Arbeit von Redakteuren nicht vollständig übernehmen. Menschen vermögen es nämlich, ihre Wortwahl auf den Leserkreis abzustimmen und den richtigen Stil zu wählen.

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