Frutarier: eine strenge Ernährungsform

Frutarier
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Manchen Menschen, die auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichten, geht die vegane Lebensweise nicht weit genug. Sie essen nur Früchte, die so geerntet werden, dass die Pflanze dabei nicht ihr Leben lassen muss.

Diese Einstellung schränkt die Lebensmittelauswahl massiv ein. Die Allensbacher Markt- und Werbeträger Analyse zeigt einen deutlichen Trend zu fleischloser Ernährung. Im Jahr 2019 verzichteten 6,10 Millionen Deutsche auf Fleisch.

Zwei Jahre zuvor waren es noch um 400.000 weniger. Gemäß dieser Studie ernährten sich 950.000 Deutsche vegan, kamen also völlig ohne tierische Produkte aus. Wie viele davon Frutarier sind, lässt sich nur schätzen.

 

Selbst wer einem ausgewogenen Speiseplan folgt und die neuesten Ernährungstrends regelmäßig beobachtet, kann manchmal nicht nachvollziehen warum sich andere für ein Leben als Frutarier entscheiden. Immerhin waren die Menschen schon in der Steinzeit Jäger und Sammler, die genau das aßen, was die Natur gerade zu bieten hatte.

Damals konnte man es sich nicht aussuchen, welche Nahrungsmittel am nächsten Tag verzehrt wurden. Außerdem mangelte es vor Jahrtausenden an hochwertigen Lagermöglichkeiten, die eine längerfristige Konservierung vieler Lebensmittel sicherstellten. Manche Lebensmittel konnten unsere Vorfahren durch Räuchern, Salzen oder Trocknen haltbar machen, andere wiederum mussten sofort gegessen werden.

Sich bewusst für ein Leben als Frutarier zu entscheiden, ist eigentlich nur in der Zeit des Wohlstandes möglich. Heute hast du die Möglichkeit, in jedem Supermarkt oder Bioladen alle Zutaten für die fleischlose Mahlzeit zu kaufen.

Herrscht Lebensmittelknappheit setzt der Überlebensinstinkt ein und man greift zu jenen Waren, die verfügbar sind. Da heute die Versorgung so gut ist wie nie zuvor, bleibt es jedem selbst überlassen als Frutarier durch Leben zu gehen.

Die meisten Frutarier leben nach einer besonderen Philosophie, die weit über die Grenzen der Ernährung hinausgeht. Es ist ihnen ein Anliegen, so weit wie möglich im Einklang der Natur zu leben.

Manche Frutarier gehen sogar soweit, dass sie ihre Häuser und Wohnungen nicht mit Holz einrichten. Immerhin muss ein Baum in der Regel gefällt werden, damit das Holz zu Tischen, Schränken und anderen Möbeln verarbeitet werden kann.

Auch bei der Bekleidung halten sie strenge Vorschriften ein: Seide ist ebenso tabu wie Leder. Da bei der Ernte die Pflanze nicht beschädigt wird, akzeptieren Frutarier Baumwolle als Material für Textilien.

Eines ist klar: Wenn du Frutarier werden möchtest, eignest du dir besser ein umfangreiches Wissen rund um die Kultivierung von Nutzpflanzen an. Immerhin musst du darüber Bescheid wissen, welche Obstsorten und Samen bei der Ernte die Vernichtung der Pflanze erfordern. Das Gerücht, dass Frutarier auf den Feldern Fallobst sammeln und sich ausschließlich davon ernähren, ist weit hergeholt.

Nicht ganz einig sind sich Frutarier was den Genuss von Getreide betrifft. Immerhin geht die Pflanze beim Ernten kaputt. Dennoch ist anzuführen, dass die Pflanze ohnehin zugrunde gehen würde, wenn der Samen ausgereift ist. Aus diesem Grund integrieren viele Frutarier Kohlenhydratquellen wie Weizen, Hirse, Dinkel und Reis essen.

Wenn du dich dafür entscheidest, ist deine Speisenauswahl deutlich größer. Denn immerhin kannst du dann auch Nudeln und Brot essen – immer unter der Voraussetzung, dass es keine tierischen Produkte enthält.

Um eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen, musst du als Frutarier genau über den Vitamingehalt jener Lebensmittel Bescheid wissen, die du essen darfst:

  • Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen dienen Frutariern als hochwertige Eiweißquelle.
  • Mit Cashewnüssen, Mandeln, Wal- und Haselnüssen, Macadamia, Kokosnuss und Cashewkernen versorgen sich Frutarier mit hochwertigen Fetten. Sie sind unter anderem auch deswegen wichtig, weil die Vitamine A, D, E und K nur mit gleichzeitiger Aufnahme von etwas Fett vom Körper verwertet werden können
  • Aus dem vollen schöpfen Frutarier, was die Obstauswahl betrifft: Alle Sorten, die vom Baum oder von der Pflanze gepflückt werden sind erlaubt: Äpfel, Aprikosen, Birnen, Erdbeeren, Weintrauben, Pfirsiche und Pflaumen sind einige Beispiele. Am besten wählst du Sorten, die gerade Saison haben
  • Auch einige Gemüsearten sind erlaubt: Gurken, Zucchini, Kürbis, Tomaten, Auberginen, Avocados bereichern den Speiseplan
  • Pilze dürfen Frutarier dann genießen, wenn bei der Ernte das Wurzelgeflecht erhalten bleibt und somit das Überleben gesichert ist

Schon bei einer veganen Ernährung bedarf es eines großen Wissensschatzes um sich ausreichend mit allen Nährstoffen zu versorgen. Bei Frutariern ist das Risiko eines Mangels noch höher, da wertvolle Lebensmittel wie Wurzelgemüse, Kartoffeln usw. wegfallen.

Besonders schwierig ist es den Bedarf an Vitamin B12 zu decken, das vorwiegend in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Bei einem gravierenden Mangel kann es zu massiven Schäden am zentralen Nervensystem kommen.

Ebenfalls nur in tierischen Produkten kommt Vitamin D aus. Das „Sonnenvitamin“ kann der Körper während der warmen Jahreszeit selbst herstellen, wenn du regelmäßig kurze Aufenthalte in der Sonne einplanst. Im Winter jedoch leiden viele an einem Mangel, der sich mit einer Verschlechterung des Immunsystems und chronischer Müdigkeit bemerkbar machen kann.

Eisen kann aus tierischen Quellen besser verwertet werden. Da es maßgeblich für die Sauerstoffversorgung der Zellen verantwortlich ist, macht sich ein Mangel mit Schlappheit und Müdigkeit bemerkbar. Gute Quellen für Frutarier sind Haferflocken, Linsen und Kürbiskerne.

Wenn du dich dafür entscheidest, als Frutarier durch das Leben zu gehen bist du in prominenter Gesellschaft. Für einige Zeit ging Steve Jobs nämlich als Frutarier durchs Leben. Eigenen Angaben zufolge entstand während dieser Phase in den 1970er Jahren die Idee, sein später weltberühmtes Unternehmen „Apple“ zu nennen.

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