Eine Brennwerttherme holt Wärme aus dem Abgas zurück, die ältere Geräte ungenutzt über den Rauchfang entweichen lassen. Sie kühlt die Verbrennungsgase so weit ab, dass der darin enthaltene Wasserdampf kondensiert und seine Wärme an das Heizungswasser abgibt. Gegenüber einem Niedertemperaturgerät sparen Brennwertthermen rund zehn Prozent Brennstoff, gegenüber einer alten Heizwerttherme 15 Prozent oder mehr. In unserem Rechenbeispiel für eine Wiener Altbauwohnung sind das 165 bis 250 Euro im Jahr. Allerdings nur, wenn die Heizung dazu passt.
Genau dieser Nachsatz fehlt in den meisten Prospekten. Wie die Technik arbeitet, was sie im Wiener Alltag tatsächlich bringt und wo sie an Grenzen stößt, lesen Sie hier.
Inhaltsverzeichnis
So funktioniert eine Brennwerttherme
Bei der Verbrennung von Gas entstehen Kohlendioxid und Wasserdampf. Der Dampf ist heiß und trägt Energie in sich. Ein Gerät mit klassischer Heizwerttechnik schickt ihn samt dieser Energie durch den Fang ins Freie.
Das moderne Gerät hat einen zusätzlichen, großflächigen Wärmetauscher. Durch ihn strömt das abgekühlte Wasser, das gerade aus den Heizkörpern zurückkommt. Es kühlt das Abgas unter rund 56 Grad ab. Das ist ungefähr der Taupunkt der Abgase bei Erdgas. Ab hier setzt die Kondensation ein, der Dampf wird zu Wasser und gibt dabei die sogenannte Kondensationswärme frei. Diese Wärme wandert direkt in den Heizkreislauf. Der Brenner muss weniger leisten. Der Verbrauch sinkt, weil für dieselbe Wärme weniger Gas nötig ist.
Die Technik gibt es für Erd- oder Flüssiggas und auch für Heizöl. Eine Ölheizung mit Brennwerttechnik ist in Wien aber die Ausnahme, hier hängt fast überall eine Gastherme am städtischen Netz.
Der Brennwerteffekt in Zahlen
Wer Datenblätter liest, stolpert über Wirkungsgrade jenseits der 100 Prozent. Brötje gibt für seine kompakte Gastherme WLS etwa einen Normnutzungsgrad von 106 Prozent bezogen auf den Heizwert an und 98 Prozent bezogen auf den Brennwert. Beides beschreibt dasselbe Gerät. Der Heizwert lässt die Energie im Wasserdampf außen vor, der Brennwert rechnet sie mit ein.
Den zusätzlichen Gewinn durch die Nutzung der Kondensationswärme nennen Fachleute Brennwerteffekt. Laut Vaillant Österreich holt die Brennwerttechnik bei Erdgas rund elf Prozent mehr Wärme heraus als eine Heizwertheizung, bei Heizöl bis zu acht Prozent. Mehr Energie, als im Brennstoff steckt, holen also auch die besten Brennwertthermen nicht heraus. Wer Geräte vergleicht, sollte deshalb auf den Nutzungsgrad bezogen auf den Brennwert achten. Der ehrlichere Wirkungsgrad ist immer die kleinere Zahl.
Therme, Kessel oder Kombitherme
Das Gerät hängt an der Wand, ist kompakt und platzsparend. Bei 15 Kilowatt Leistung sind darin laut dem Ratgeber von heizung.de nur drei bis fünf Liter Wasser enthalten. Bei bodenstehenden Heizkesseln ist das anders. Ein Gas-Brennwertkessel der gleichen Leistungsklasse fasst mehr als 50 Liter. Solche Brennwertkessel gehören eher ins Einfamilienhaus mit Keller. In Wiener Wohnungen hängt fast immer ein Kombigerät, die neben der Heizung auch das Warmwasser im Durchlauf bereitet. Wer eine alte Kombitherme ersetzen will, kann bei Thermentausch Graf in Wien Brennwertthermen tauschen lassen, samt Planung der Abgasführung.
Was Brennwertthermen wirklich sparen: eine Rechnung für Wien
Nehmen wir eine 70 Quadratmeter große Altbauwohnung in Ottakring mit Gaskombitherme. Angenommen, der Haushalt hat einen Gasverbrauch von 11.000 Kilowattstunden im Jahr und zahlt inklusive Netzkosten und Abgaben 15 Cent pro Kilowattstunde. Das ergibt eine Gasrechnung von 1.650 Euro. Die Annahme ist eher vorsichtig. Allein der Energiepreis im Tarif Optima Aktiv von Wien Energie lag zuletzt bei rund 13 Cent pro Kilowattstunde, die Netzkosten kommen noch dazu. Der Preis wird monatlich angepasst.
- Bei 10 Prozent Einsparung bleiben rund 165 Euro im Jahr.
- Bei 15 Prozent sind es knapp 250 Euro.
Klingt ordentlich. Dann kommt die Gegenrechnung. Ein Wiener Altbaubewohner rechnete im Forum von energiesparhaus.at mit 1.300 Euro Aufpreis für das Brennwertgerät und weiteren 600 Euro für den Einsatz im Kamin. Bei 1.900 Euro Mehrkosten und rund 200 Euro Ersparnis im Jahr dauert es etwa zehn Jahre, bis sich der Unterschied bezahlt macht. Gängige Geräte halten 15 bis 20 Jahre. Es rechnet sich also, aber nicht schnell.
Unsere Einschätzung: Werbeversprechen von 30 oder gar 45 Prozent geringeren Heizkosten sind für Wiener Wohnungen überzogen. Solche Werte gelten nur, wenn ein uralter Heizkessel ersetzt wird und die Heizflächen mitspielen. Realistisch sind zehn bis 15 Prozent. Das lohnt sich, ein Wundermittel ist es nicht.
Zum Vergleich ein Hebel, der nichts kostet. Als Faustregel gilt, dass jedes Grad weniger Raumtemperatur rund sechs Prozent Heizenergie spart. Wer von 23 auf 21 Grad geht, holt damit fast so viel heraus wie mit dem Gerätetausch.
Ist Ihre alte Therme ohnehin am Ende, sieht die Rechnung anders aus. Dann zählt nur noch der Aufpreis gegenüber dem billigsten Ersatzgerät. Lassen Sie sich im Angebot Gerät, Montage und Abgasführung getrennt ausweisen, dann sehen Sie, wofür Sie tatsächlich zahlen. Vor dem Angebot sollten Sie aber den nächsten Punkt kennen, denn er bestimmt, ob die Ersparnis überhaupt eintritt.
Der Rücklauf entscheidet über die Ersparnis
Kondensieren kann der Dampf nur, wenn das zurückfließende Wasser kalt genug ist. Bei Erdgas liegt die Grenze für die Rücklauftemperatur laut heizung.de bei etwa 53 bis 57 Grad. Liegt der Rücklauf darüber, arbeiten Brennwertthermen kaum besser als gewöhnliche Geräte. Brennwertheizungen arbeiten deshalb besonders effizient, wenn große Heizflächen mit niedrigen Temperaturen auskommen, etwa eine Fußbodenheizung.
Und genau hier liegt das Problem vieler Wiener Altbauten. Kleine Gussradiatoren unter hohen Kastenfenstern brauchen heißes Wasser, um über drei Meter hohe Räume warm zu bekommen. Nicht selten ist die Heizkurve deshalb großzügig eingestellt, damit sich niemand beschwert. Das ist bequem und kostet Sie jedes Jahr Geld.
Was in der Praxis hilft:
- Heizkurve schrittweise senken, bis es in der kältesten Woche gerade noch reicht
- einen hydraulischen Abgleich machen lassen, damit jeder Heizkörper nur die Wassermenge bekommt, die er braucht
- einzelne zu kleine Heizkörper gegen größere Modelle tauschen, oft reicht das im Wohnzimmer
Beim Thermentausch wird das selten von sich aus angeboten. Fragen Sie danach. Der Abgleich kostet nur einen Bruchteil der Therme. Bei der jährlichen Wartung lässt sich die Einstellung dann nachjustieren, mehr dazu in unserem Beitrag zur Thermenwartung.
Wiener Besonderheiten: Fang, Kondensat und die B1-Therme
Der gemeinsame Fang im Gründerzeithaus
Was in Deutschland Schornstein heißt, ist in Wien der Rauchfang. In vielen Zinshäusern hängen mehrere Wohnungen an einem gemeinsamen Fang. Die klassische Wiener Therme ist ein atmosphärisches Heizwertgerät vom Typ B1. Sie holt die Verbrennungsluft aus dem Raum und schickt die heißen Abgase über diesen Fang ins Freie.
Für genau diese Situation macht die EU-Ökodesign-Verordnung eine Ausnahme. Kombigeräte vom Typ B1 bis 30 Kilowatt dürfen weiter eingebaut werden, aber nur im Mehrfamilienhaus an einer Abgasanlage, die mehrere Wohnungen nutzen. Das Fachportal Forum Wohnrecht hält fest, dass die Wahl zwischen Heizwert- und Brennwerttherme in Wien damit beim Kunden bleibt.
Brennwertthermen brauchen dagegen eine feuchteunempfindliche Abgasleitung, meist ein Kunststoffrohr, das in den alten Fang eingezogen wird. Ist der Fang mehrfach belegt, geht das oft nicht ohne Weiteres. Dann bleibt nur ein eigener Abgasweg über Fassade oder Dach, und der braucht im Altbau häufig die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Klären Sie das mit dem Rauchfangkehrer, bevor Sie ein Gerät bestellen.
Wohin mit dem Kondensat
Im Betrieb fällt laufend leicht saures Kondenswasser an. Bei Anlagen bis 200 Kilowatt darf es laut Vaillant ohne Neutralisation in die Kanalisation, praktisch also in den nächsten Abfluss. Hängt die Therme in einer Gangküche ohne Abfluss in der Nähe, braucht es eine kleine Kondensatpumpe. Ein undichter Kondensatschlauch verursacht übrigens unbemerkt Wasserflecken hinter der Therme, ähnlich wie ein kleiner Rohrbruch.
Mietwohnung: Wer zahlt die neue Therme?
Ist die Therme mitvermietet und fällt die Wohnung unter das Mietrechtsgesetz, muss der Vermieter sie reparieren und, wenn nötig, erneuern. Die jährliche Wartung zahlen Sie als Mieterin oder Mieter selbst. Haben Sie das Gerät auf eigene Kosten erneuert, können Sie beim Auszug einen anteiligen Ersatz verlangen. Welches Gerät eingebaut wird, entscheidet in der Regel der Vermieter. Fragen Sie trotzdem nach einem Gerät mit Brennwerttechnik, die Gaskosten tragen schließlich Sie.
Gas, Wärmepumpe oder beides
Rein technisch ist der Vergleich der Heizungsarten schnell entschieden. Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Eine Gasbrennwertheizung kommt knapp an 100 Prozent heran, mehr geht physikalisch nicht. Bei der Effizienz liegt die Wärmepumpe also klar vorn.
Im Wiener Altbau zählt aber, was sich einbauen lässt. Eine Luftwärmepumpe braucht einen Platz für das Außengerät, und den gibt es in einer Wohnung im dritten Stock eines Zinshauses oft schlicht nicht. Im Einfamilienhaus in Liesing oder in der Donaustadt sieht das anders aus. Dort ist auch eine Hybridheizung eine Option, bei der eine Gastherme mit einer Wärmepumpe oder mit Solarthermie zusammenarbeitet. Die erneuerbare Quelle übernimmt die Grundlast, die Therme springt an kalten Tagen ein.
Eines sollte man ehrlich sagen: Eine Brennwertheizung senkt die CO₂-Emissionen nur in dem Maß, in dem sie den Gasverbrauch senkt. Sie bleibt, anders als erneuerbare Heizsysteme, fossil. Wer langfristig auf erneuerbare Energien umsteigen will, plant die neue Therme am besten als Übergangslösung.
Ein aktueller Testsieger hilft bei der Auswahl übrigens nicht weiter. Laut thermondo hat die Stiftung Warentest seit 2010 keine Gasheizungen mehr getestet, weil die Technik als ausgereift gilt. Die Brennwertgeräte der großen Hersteller liegen technisch eng beisammen. Wichtiger als die Marke sind ein guter Fachbetrieb, der Kundendienst in Ihrer Nähe und eine saubere Einstellung.
Brennwertthermen und der Wiener Gasausstieg
In Wien gibt es laut Energiebericht der Stadt immer noch mehr als eine halbe Million Gaszähler. Bis 2040 will die Stadt klimaneutral heizen. In den Klimaschutzgebieten, die inzwischen in allen Bezirken ausgewiesen sind, dürfen in Neubauten keine Gasthermen mehr eingebaut werden. Für bestehende Wohnungen gibt es keine Tauschpflicht.
Gefördert wird in Wien nur der Ausstieg. Wie wien.ORF.at berichtet, übernimmt die Wiener Heizungsanlagen-Förderung 35 Prozent der Kosten, maximal 8.000 Euro im Eigenheim und bis zu 5.250 Euro in Wohnungen. Wer sich komplett vom Gasanschluss trennt, bekommt zusätzlich 1.000 Euro Dekarbonisierungsprämie, für ein ganz gasfreies Haus 1.500 Euro. Der Fördertopf des Bundes, die Sanierungsoffensive, hatte für 2026 ein Budget von 360 Millionen Euro und war laut ORF bereits Anfang Juli ausgeschöpft. Für eine neue Gasheizung mit Brennwerttechnik gibt es weder vom Bund noch von der Stadt Geld.
Sind neue Brennwertthermen also noch sinnvoll? In vielen Wiener Wohnungen ja, und zwar aus einem nüchternen Grund. Fernwärme liegt nicht in jedem Haus, und eine Wärmepumpe lässt sich, wie beschrieben, oft nicht unterbringen. Ein neues Gerät reicht ziemlich genau bis zum geplanten Ausstieg. Wer heute tauscht, sollte die Hausverwaltung aber vorher fragen, ob ein Fernwärme-Anschluss geplant ist. Sonst kauft man zweimal.
Blick nach Deutschland
In Deutschland ist das Gebäudemodernisierungsgesetz laut Haufe seit 29. Juli 2026 in Kraft. Die umstrittene Vorgabe, dass neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energie laufen müssen, ist damit gestrichen. Dafür gilt für neu eingebaute Gas- und Ölheizungen in Bestandsgebäuden eine sogenannte Bio-Treppe. Ab 2029 müssen mindestens zehn Prozent des Brennstoffs biogen sein oder aus Wasserstoff stammen, ab 2040 mindestens 60 Prozent. Mit jedem Schritt muss also mehr Gas aus Biomethan kommen, und das ist teurer als fossiles Erdgas. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude wird eine reine Gasheizung laut Viessmann nur in engen Ausnahmen bezuschusst. Bei Hybridlösungen ist nur der Anteil förderfähig, der erneuerbar erzeugt wird. Für Wien gelten diese Regeln nicht, sie zeigen aber, wohin sich Gasheizungen in Mitteleuropa entwickeln.
Kleine Hebel beim Warmwasser
Erwärmen Brennwertthermen auch das Wasser, geht ein spürbarer Teil des Gases aufs Warmwasser. Jede Minute unter der Dusche zählt hier direkt auf der Rechnung. Ein Sparduschkopf kostet wenig und senkt diesen Anteil sofort, ganz ohne Installateur. Sinnvoll ist auch, die Warmwassertemperatur an der Therme nicht höher einzustellen als nötig. Bei Durchlaufgeräten ohne Speicher reichen meist rund 45 Grad. Bei Thermen mit Speicher sollten Sie die Einstellung dagegen mit dem Installateur abstimmen, damit sich im Speicher keine Keime vermehren.
Fazit
Brennwertthermen sind die effizienteste Art, mit Gas zu heizen, und bei einem anstehenden Tausch in Wien meist die richtige Wahl. Die oft versprochenen 30 Prozent geringeren Heizkosten erreichen Sie in einer Wiener Wohnung aber kaum. Realistisch sind zehn bis 15 Prozent, und auch die nur mit niedriger Rücklauftemperatur. Wer tauscht, sollte vorab klären, ob der Fang passt, ob ein hydraulischer Abgleich im Angebot steht und ob in den nächsten Jahren Fernwärme ins Haus kommt. Eine funktionierende, gut gewartete Therme nur wegen der Brennwerttechnik herauszureißen, rechnet sich dagegen selten.
